Personalsuche im Netz

(02.11.2001)

Trotz zahlreicher Entlassungen der letzten Zeit selbst in der vermeintlich zukunftssicheren Informations- und Kommunikationsbranche sind qualifizierte Mitarbeiter nach wie vor schwer zu finden. Trotzdem beschränken all zu viele junge Unternehmen ihre Recruiting-Bemühungen auf die klassischen Stellenanzeigen in Zeitungen oder deren virtuelle Entsprechungen im Internet: die "Jobbörsen". 

Virtuelle Stellenanzeigen...

Bei den Online-Jobbörsen handelt es sich um eigenständige Datenbank-Dienstleister im Internet, die Arbeitgeber und potenzielle Arbeitnehmer zusammenbringen. Kommerzielle Angebote wie Jobpilot.de, Stepstone.de oder Monster.de sind für Bewerber kostenlos. Die nach wie vor größte deutsche Jobbörse, das Stelleninformationssystem (SIS) des Arbeitsamtes,  ist auch für Arbeitgeber kostenlos - dafür allerdings auch recht unkomfortabel und oft nicht auf dem neuesten Stand.

Ansonsten müssen Unternehmen für ihre "Annoncen" genauso bezahlen wie in Printmedien - wenn auch in der Regel weniger. Die Kosten bei  liegen zwischen zwischen 1.200 und 1.500 DM pro Internet-Anzeige bei einer Laufzeit von vier Wochen. Gelegentlich werden auch Vermittlungsprovisionen vereinbart. 

Sie erreichen bei dieser Form des E-Cruiting eine Bewerberzielgruppe, die offen ist für Innovationen, die sich manchmal sogar per E-Mail oder gar per SMS über die laufend eingehenden Job-Angebote informieren lässt. So kommen Kontakte im besten Fall innerhalb von Stunden oder gar Minuten zustande. 

Weiterer Vorteil: Anders als in den Printmedien sind die Anzeigenplätze normalerweise nicht begrenzt, außerdem lassen sich die Annoncen notfalls ohne Probleme korrigieren oder aktualisieren. 

Wer sich die Auswahl der richtigen Jobbörse ersparen und zudem noch in den Genuss niedrigerer Schaltkosten kommen will, kann inzwischen auch die Dienste der Online-Agentur SkillXL in Anspruch nehmen: Durch diesen Internet-Service soll das Online-Recruiting effektiver und einfacher handhabbar sein.

... und mehr

Doch so leistungsfähig Online-Jobbörsen auch sind - sie stellen nur einen Kanal der Personalbeschaffung im Web dar:

  • in Bewerber-Börsen können Sie nach den hinterlegten Profilen möglicher Mitarbeiter suchen
  • die eigene Firmen-Homepage bietet kostenlose "Anzeigeflächen"
  • auf virtuellen Jobmessen kommen Sie mit Bewerbern ins Gespräch 
  • in Online-Foren, Newsgroups oder Experten-Netzwerken können Sie potenzielle Arbeitskräfte auf sich aufmerksam machen
  • Headhunter jagen inzwischen in Ihrem Auftrag auch im Netz und
  • Mitarbeiter auf Zeit finden Sie auf Freelancer- und Projekt-Plattformen

Bewerber-Profile sichten

Wenn Sie nicht darauf warten wollen, dass sich Bewerber auf Ihre Ausschreibungen hin melden, sondern selbst aktiv werden möchten, dann sollten Sie einen Blick auf die Bewerber-Börsen werfen. Dort stellen Berufs-Einsteiger und Wechselwillige zum Teil äußerst differenzierte Lebensläufe und Qualifikationsprofile ins Netz.

Zu finden sind diese Selbstdarstellungen von potenziellen Mitarbeitern als "Ableger" großer Jobbörsen wie Jobpilot  oder bei eigenständigen Anbietern wie JobScout24.Während die eigentliche Recherche in den Bewerberpools zumeist kostenlos ist, müssen Arbeitgeber für die anschließende Kontaktaufnahme bezahlen. Bei Jobpilot kosten bis zu 100 Kontaktaufnahmen in einem Zeitraum von vier Wochen beispielsweise knapp 2.000 DM.

Nicht nur weil er kostenlos ist, darf der Arbeitgeber Informations-Service (AIS) der Bundesanstalt für Arbeit nicht unerwähnt bleiben. Der ist zwar nicht immer up-to-date und auch ziemlich unhandlich, listet dafür aber nach sehr differenzierten Vorgaben die Profile einer enormen Zahl möglicher Mitarbeiter. 

Wozu in die Ferne schweifen?

Da steht sie nun im Netz, die eigene Web-Präsenz, und obwohl sie viel Zeit und Geld gekostet hat, wird sie doch sträflich vernachlässigt. Nicht nur bei der allgemeinen Selbstdarstellung und im Vertrieb werden Chancen vergeben, sondern auch auf der "Beschaffungsseite" - beim Personal-Marketing.. 

Doch ob es nun Zeitmangel, pure Vergesslichkeit oder gar mangelndes Zutrauen in die Wirkung der eigenen Betriebs-Homepage ist: Verschwendung ist der Verzicht auf deren Nutzung  als Plattform für die Personalgewinnung allemal. Wenn Sie wissen wollen,  wie andere Arbeitgeber die eigenen Internetseiten nutzen, um mögliche Mitarbeiter anzusprechen, können Sie sich beispielsweise die nach Branchen sortierte Focus-Firmenliste ansehen.

Sind erst einmal Stellen-Ausschreibungen kostengünstig auf den eigenen Seiten veröffentlich, müssen die allerdings auch regelmäßig auf dem laufenden Stand gehalten werden. Wer Interessenten auffordert, sich per E-Mail zu bewerben, sollte anschließend aber auch den  E-Maileingang zeitnah überwachen und möglichst postwendend reagieren. 

Wer wirklich händeringend gute Leute sucht, sollte außerdem immer eine konkrete Ansprechperson möglichst mit Telefonnummer und persönlicher E-Mailadresse (also nicht nur info@firma.de) benennen. 

Eigene Anzeigenseiten bei Spezial-Suchmaschinen anmelden

Wenig bekannt ist, dass es neben den viel zitierten Jobbörsen auch spezialisierte Suchdienste gibt, die auf Anfrage von Stellensuchenden das Internet nach passenden Angeboten durchforsten. Doch bevor Spider wie JobRobot fündig werden, müssen Sie Ihre Seiten mit Stellenausschreibungen dort ebenso anmelden wie bei den normalen Suchmaschinen.

"Guerilla-Recruiting"

Wer auf sein Unternehmen in Online-Foren, Newsgroups oder Experten-Netzwerken, aber auch durch Vorträge auf Konferenzen oder anlässlich von Regionalmessen durch qualifizierte und konstruktive Beiträge aufmerksam macht, erhöht auch die Attraktivität auf potenzielle Arbeitskräfte. 

Schließlich ist das persönliche Gespräch, sind Chats oder Foren-Diskussionen mit Experten, das Skizzieren anspruchsvoller Projekte und Aufgabenstellungen alles andere als plattes Amateur-Headhunting durch gezielte  Abwerbung. 

Virtuelle Recruiting-Events

Interaktive virtuelle Kontaktmessen organisiert Jobfair24 für Unternehmen und Arbeitnehmer: Vom Schreibtisch aus können Interessenten durch die Hallen der Jobmesse laufen, Stellenangebote oder digitale Bewerbungsmappen studieren und mit Personal-Entscheidern über Einstiegsmöglichkeiten und Karrierechancen chatten. 

Das geschieht sowohl in Form täglicher Online-Präsenzzeiten einzelner Arbeitgeber als auch während regelmäßig veranstalteter Messetage, an denen alle Messestände besetzt sind. Selbst wenn der Leistungszuschnitt und die Konditionen des Anbieters die Etats der meisten Gründer und kleineren Unternehmen überschreiten dürften, lohnt sich ein Besuch des "Messegeländes":  Er vermittelt einen guten Eindruck davon, wie die Kontaktaufnahme über das Internet zu vonstatten gehen kann.

Das Beispiel Motorola zeigt aber auch, dass sich lokale Online-Recruitung-Veranstaltungen durchaus "von Hand" organisieren und technisch realisieren lassen. Zwei weitere Vorteile haben solche - an sich wenig aufregende - Bewerbungs-Chats:  Sie bieten auch weniger wechselwilligen Interessenten die Möglichkeit, ohne größeren Zeitaufwand und  Reisestrapazen in direkten Kontakt mit einem möglichen neuen Arbeitgeber zu treten. 

Und: Eine virtuelle Bewerbungs-Hausmesse birgt (noch) einen gewissen Aufmerksamkeitswert und führt unweigerlich zu Berichten in der Regionalpresse. Und auf die Imagewirkung kommt es ja schließlich nicht zuletzt an, wenn Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt nach qualifizierten Spezialisten suchen.

Reale Firmenkontaktmessen 

Wer sein Unternehmen auf einer regionalen oder bundesweiten Firmenkontaktmesse vorstellen will, findet bei Access und Karrieretag, in der Focus-Datenbank und im Job-Newsletter der Zeit zahlreiche Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen. Bei diesen häufig an Hochschulen stattfindenden Veranstaltungen kommen erfahrungsgemäß viele nützliche Kontakte, insbesondere zu IT-Fachkräften, aber auch zu Mitarbeitern in den Bereichen Projektmanagement oder Marketing zustande.

Personal-Jagdszenen im Netz

Spätestens seit dem Telefon-Maulkorb für Headhunter ist nun auch die Führungskräfte-Jagd im Internet richtig losgegangen. Für die umworbenen Führungskräfte und Spezialisten ist die Aufnahme ihrer anonymisierten Profile üblicherweise kostenlos. Solche HR-(Human Resource)-Vermittlungsplattformen für Spezialisten und Spitzenkräfte finden Sie etwa unter Onlineheadhunting.com oder Career-now.de

Freelancer und Sub-Unternehmer

Doch: Braucht man für jede zusätzliche betriebliche Aufgabe wirklich einen neuen Angestellten? Temporäre Unterstützung bieten nämlich nicht nur klassische Zeitarbeitsunternehmen wie Manpower, Randstad oder Adecco. Schließlich macht es das Internet-Zeitalter auch qualifizierten Einzelkämpfern leichter, ihre Projekte von Mal zu Mal mit einem anderen Auftraggeber durchzuführen. Internet-Plattformen wie Projektweb.de ermöglicht es solchen Freelancern und virtuellen Teams  sogar, auch größere Projekte anzugehen.

Bei überschaubaren Einzelaufträgen sollten Sie nicht versäumen, Experten-Netzwerke in Augenschein zu nehmen. Webworker etwa gibt Ihnen die Gelegenheit, unter selbstständigen Spezialisten nach Erfahrungsbereichen und Tätigkeitsschwerpunkten, Branchen, Regionen und Honorarsätzen auszuwählen. Smarterwork hingegen stellt den einzelnen Auftrag in den Mittelpunkt: 

Aber längst nicht alles lässt sich bekanntlich online erledigen: Bei der Vermittlung freiberuflicher Präsenz-Fachleute insbesondere für EDV-, IT- und Marketingprojekte hilft Jobhopper oft mit Erfolg weiter. Ein starkes Angebot für den Markt der EDV-Spezialisten schließlich stellt GULP dar, das Vermittlungs-Portal für die IT-Branche.

Beschaffungs-Alternative

In vielen Fällen ist die händeringende Suche nach neuem Personal schlicht darauf zurückzuführen, dass bewährte Kräfte dem eigenen Unternehmen  den Rücken gekehrt haben: Deshalb lassen sich die in jedem Fall beträchtlichen Kosten der Mitarbeitersuche am wirkungsvollsten durch das "pflegliche Umgehen" mit der bestehenden Belegschaft begrenzen.

Als besonders probates Mittel dafür gelten regelmäßige, durchdachte und zielgerichtete Mitarbeitergespräche: Wie Unternehmer und andere leitende Mitarbeiter dieses zentrale "Führungstool" richtig handhaben, zeigt der fünfwöchige akademie.de-Workshop Mitarbeitergespräche. Beginn: 8. November 2001

(roc)

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