Ist guter Rat teuer?

(15.12.2001)

Obwohl Fragen bekanntlich zunächst einmal nichts kostet und sich viele Kollegen oder Experten sogar freuen, andere an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen, unternehmen manche geschäftliche Einzelkämpfer erst gar nicht den Versuch, sich bei ihren zahlreichen Anlaufproblemen helfen zu lassen.

Übertriebene Zurückhaltung und die Angst, sich zu blamieren, führt all zu oft dazu, dass geblufft wird, was das Zeug hält - bis sich die aufgelaufenen Schwierigkeiten - wenn überhaupt - nur noch mit Kraftakten und unter Hinzuziehung teurer Beratungsprofis lösen lassen.

Weil in Zeiten dauernden Wandels und explosionsartiger Zunahme des Wissens nicht die vermeintlich dummen Fragen blamieren - sondern der Verzicht auf das Abrufen verfügbarer Antworten, wollen wir Sie ermutigen, künftig die zahlreichen kostenlosen oder -günstigen Beratungs- und Unterstützungs-Angebote Ihrer Umgebung bewusster wahrzunehmen.

Jetzt stelle' mir uns emal janz dumm...

Und doch: Allein die Bereitschaft zu fragen reicht noch nicht. Die Qualität der Antwort hängt unmittelbar zusammen mit der Ihrer Fragestellung: Befragen Sie sich deshalb vor einem Treffen mit einem kompetenten Kollegen oder Kooperationspartner, vor einem Gründer-Stammtisch oder Unternehmer-Chat zunächst selbst sehr genau: "Was will ich denn eigentlich wissen?" Dieses "bohrende" Nachfragen verhilft Ihnen selbst zu mehr Klarheit über Ihr Anliegen.

Ganz gleich wo oder wem Sie ihre Fragen stellen: Vermeiden Sie aber auf jeden Fall, mit besonders durchdachten, "schlauen" Fragen Eindruck schinden zu wollen. Kleiden Sie Ihr Anliegen in einfache Worte. Denn: Klappern gehört zwar zum Unternehmer-Handwerk - aber als "Suchender" verbauen Sie sich damit allzu leicht den Zugang zu Ihren Informanten.

Kollegen vor Ort fragen

Kein Zweifel: Das größte ungenutzte Beratungspotential in Deutschland stellen die zahlreichen erfahrenen und auskunftsbereiten Unternehmerkollegen dar.

Während in den angelsächsischen Ländern der informelle Erfahrungsaustausch zwischen Jungunternehmern und "alten Hasen" an der Tagesordnung ist, wird das Abrufen dieser Art Praktiker-Know-how hier zu Lande vernachlässigt. Oder kommt gleich in Form institutionalisierter "Business Angels"-Projekte (wie etwa "Alt-hilft-Jung" oder "Neues Unternehmertum") daher, die dann allerdings oft weiter gehende Ziele wie die Vermittlung von Risiko-Kapital verfolgen.

Unterhalb dieser Schwelle haben Sie - abgesehen von Selbstständigen, Unternehmern und anderen Fachleuten, die Sie persönlich kennen, viele Gelegenheiten, auskunftswillige Kollegen zu treffen. Besuchen Sie etwa

Deutschlands "oberster Gruenderstammtisch" befindet sich zwar noch im Aufbau, hat sich aber bereits erkennbar zur Aufgabe gemacht, die zahlreichen regionalen Jungunternehmer-Treffen in einem nach Bundesländern geordneten Überblick zusammenzufassen.

Einen guten Einstiegpunkt, um Kontakte in Ihrer näheren Umgebung zu knüpfen, bietet auch die beim Stern angesiedelte Startup-Adressdatenbank: Dieses Online-Verzeichnis bietet mehr als 1.800 Adressen für Jung-Unternehmer - eine Plattform für Gründer-Fragen gibt es gleich einen Mausklick weiter im StartUp-Forum.

Entfernte oder anonyme Kollegen fragen

Ein Grund für Zurückhaltung, heimische Unternehmer-Kollegen um Rat oder Unterstützung zu bitten, liegt natürlich darin, dass man halt auch der Konkurrenz oder potenziellen Kunden über den Weg läuft - und da fällt einem die erforderliche Offenheit bekanntlich schwer.

Diesen verständlichen Vorbehalten kommen die zahlreichen

  • Online-Diskussionsforen
  • virtuellen Stammtische und
  • Wissens-Plattformen

entgegen: Dort ist es leichter, in sicherer Anonymität oder geschützt durch große Entfernungen miteinander Erfahrungen auszutauschen und sich wechselseitig zu unterstützen.

"Erfa"-Gruppen haben eine lange Tradition

Vorweg: Überregionale Erfahrungsaustauschgruppen wie die der BBE Handelsberatung gibt es übrigens nicht erst seit dem Internet-Zeitalter: So genannte Erfa-Gruppen haben - vor allem im Handel und Handwerk - in Deutschland eine jahrzehntelange und bewährte Tradition.

Dabei treffen sich jeweils zehn oder mehr annähernd gleich große, nicht-konkurrierende Unternehmen aus ähnlich strukturierten Betrieben derselben Branche unter Leitung kundiger Berater zu

  • Betriebs-Besichtigungen
  • Best-practice-Vergleichen oder
  • Benchmarking-Projekten.

Die sind dann zwar nicht mehr kostenlos, dafür aber oft fruchtbarer und auf jeden Fall billiger als Einzelberatungen.

Existenzgründer-Netzwerke

Zurück zur New Economy: Ein besonders weit verzweigtes bundesweites Netz ist in den vergangenen drei Jahren unter existenzgruender-netzwerk.de durch layermedia.de geknüpft worden: Nach Mitteilung der Betreiber nutzen monatlich mehr als 5.000 User die regional und nach Projekten sortierte, werbefinanzierte Plattform.

In über zwanzig Rubriken und Börsen von

  • "A" wie "Anbieten und Suchen" über
  • "E" wie "Erfahrung austauschen" und
  • "K" wie "Kooperationen junger Unternehmen" bis zu
  • "V" wie "Virtuelle Unternehmen"

gibt es hier zahlreiche Anknüpfungspunkte und Querverweise. Allerdings setzt die aktive Nutzung die - kostenlose - Registrierung voraus. Für die ist aber nur eine erreichbare E-Mailadresse erforderlich und erfolgt, sobald Sie Ihr erstes "Projekt" anlegen.

Gleich europaweites "Business-Networking" verspricht derweil E-Start.com - dessen Nutzung erfordert ebenfalls gleich eine - wenn auch problemlose - Registrierung. Die Früchte dieser Anstrengung halten sich angesichts der nicht gerade überlaufenen Community dann jedoch in Grenzen - auch die Technik bereitet dem Anbieter offenbar häufiger Probleme.

Technisch einfacher und verlässlicher gelöst ist da schon das Gründer-Forum der Infoquelle-Community - das leidet jedoch trotz der durchaus zutreffenden Devise "Die einen wissen etwas und die anderen wollen etwas wissen" ein wenig unter Auszehrung.

Mehr los ist da schon beim Forum Unternehmensberatung von meOme.de - die dortigen Beiträge haben zwar oft mehr Diskussions- als Beratungscharakter - nützlich sind sie gleichwohl Das gilt auch für viele Eintragungen im moderierten ECIN-Forum, das sich auf E-Commerce-Themen spezialisiert hat:

Stärker auf weiche Themen hingegen, die persönlichen Seiten des Geschäftslebens abgestimmt, ist das Online-"Forum für Gewinner" des Motivations-Gurus Jürgen Höller.

Man mag über dessen massen-hysterische Präsenzveranstaltungen geteilter Meinung sein - in den Online-Diskussionsbeiträgen findet sich neben Esoterischem auch manch' praktischer Lebens- und Geschäftsrat.

Selbstständigen-Treffpunkte

Besonders leicht haben es die neuen Selbständigen der IT- und Medien-Branche beim Kontakte-Knüpfen: Das gewerkschaftsnahe Forum eLancer ist nicht nur eine inhaltlich beeindruckende Plattform - Autor und Betreiber Goetz Buchholz sorgt im Zweifelsfall höchstpersönlich dafür, dass Fragen zeitnah beantwortet werden.

Viele selbstständige Experten nutzen aber auch Foren und Mailinglisten von Projekt-Plattformen wie i-worker, web-worker.de, smarterwork.de oder projektwerk.de zum Erfahrungsaustausch.

Unternehmerinnen-Treffs

Ganz besonders viele Hilfsangebote auf Gegenseitigkeit haben sich Geschäftsfrauen in den vergangenen Jahren geschaffen: Angefangen beim

reichen die weiblichen "Seilschaften": Woman.de listet weitere Frauen-Netzwerke.

Wissens-Börsen

Einfache und doch zu selten genutzte Internet-Wege zum Praxis-Knowhow zeigt Ihnen der Tipps&Tricks-Beitrag Netz-Quellen gegen den Wissensdurst: Viele der dort vorgestellten "guten Adressen" lassen sich nämlich auch für die Expertensuche nach kostenlosen Business-Experten nutzen.

Als Beispiel mag das Existenzgründer-Forum von werweisswas.de dienen: Anders als bei den zahlreichen genauso gut gemeinten wie versteckten und daher verwaisten Spezial-Treffpunkten, ist hier immer etwas los. Die Länge der Diskussionsstränge zeigt dabei, dass nicht nur Fragen gestellt werden.

Wer im öffentlichen Frage- und Antwortspiel nicht zu befriedigenden Antworten kommt, kann sich über die Experten-Suche auch direkt an Fachleute und erfahrene Praktiker wenden.

Betrieb herrscht auch in der Business-Abteilung der kostenlosen Expertenseiten - die können im Einzelfall außerdem bei der Suche nach dem richtigen Beraters für kommerzielle Einzelberatungen nützlich sein.

Vom Umgang mit "Paten" und "Dreamteams"

US-Prophetinnen wie Faith Popcorn oder Terri Lonier, aber auch deutsche Beraterinnen, wie etwa die Autorin Ulrike Bergmann gehen beim "Anzapfen fremder Talente" übrigens noch einen Schritt weiter: Sie empfehlen Unternehmern und anderen geschäftlichen Einzelkämpfern, um sich herum richtiggehende "Dreamteams" oder "Erfolgsteams" aufzubauen.

In verbindlicherer Form als das gelegentliche Kollegen-Gespräche, Beratungs-Telefonate oder Chat-Lösungen leisten können, sollen solche auf Dauer angelegten Unterstützungs-Netzwerke für wechselseitige Befruchtung und Bestärkung sorgen.

Ganz gleich jedoch, ob Sie Ihre freundlichen und hilfsbereiten Paten nur gelegentlich befragen oder dauerhaft um Unterstützung bitten, einige Grundregeln der Gefälligkeits-Supports sollten Sie beherzigen:

  • Respektieren Sie das Zeitbudget Ihrer Ratgeber.
  • Bereiten Sie konkrete Fragen oder Anliegen vor, wenn Sie Kontakt aufnehmen.
  • Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

Lassen Sie Ihr Gegenüber wissen, wie gut Sie dessen Unterstützung gebrauchen können. Ein gelegentliches Dankschreiben - selbst als fixes Fax oder schnelle E-Mail - verstärkt das Engagement zusätzlich.

Und: Teilen Sie Ihre Erfolge mit Ihren Paten: Neue Kunden gewonnen? Günstiger eingekauft? Steuern gespart? Berichten Sie Ihren Ratgebern von erreichten Zielen. Sie werden sich mit Ihnen freuen und auch ein bisschen stolz auf ihren Beitrag sein.

Die andere Seite des Do-it-yourself-Verfahrens

Und nicht zuletzt: Geben auch Sie Ihr Wissen weiter: Im anspruchsvollsten Fall - wie bei den "Erfa-Gruppen" oder den "Erfolgsteams" - kann der Erfahrungsaustausch zu einem unmittelbaren Geschäft auf Gegenseitigkeit werden.

Oft bekommen Sie aber auch anderenorts die Gelegenheit, Ihr eigenes Praxis-Know-how selbst weiterzugeben: Nutzen Sie solche Anlässe: Auch Sie sind schließlich auf Ihrem Gebiet Fachmann oder Expertin - Sie brauchen Ihr Licht also nicht unter den Scheffel zu stellen.

Jenseits kostenloser Selbsthilfe

Da allerdings nicht alle Gründer und Jungunternehmen Fachleute in allen Funktions- und Wissensbereichen kennen und zudem viele Probleme tiefere Analysen, aufwändige Diagnosen und Therapien erfordern, bleiben selbstverständlich auch die gebührenpflichtigen Beratungs- und Qualifikationsangebote unverzichtbar.

Eine bewährte Möglichkeit, im Internet gemeinsam mit Online-Coaches und "Gleichgesinnten" zu lernen und sich dabei gegenseitig zu unterstützten, sind die Online-Workshops von akademie.de: Allein im Januar starten mit

wieder vier Workshops, die besonders gut für Jungunternehmer geeignet sind.

Schließlich: Bei aller Selbsthilfe und Eigeninitiative werden auch die kommerziellen Vertreter der Beraterzunft ja nicht überflüssig. Wie Sie bei der Suche nach

  • Steuerberatern
  • Rechtsanwälten
  • Unternehmensberatern

vorgehen können, wer Ihnen dabei hilft und was Sie dabei beachten sollten, zeigt daher einer unserer nächsten GründerLinxTipps.

(roc)

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