Berater finden

(08.01.2002) Obwohl es um den Ruf der Beraterzunft hier zu Lande nicht immer zum Besten bestellt ist, sind sie während des Grundungsprozesses und bei besonderen unternehmerischen Problemlagen doch gern gesehene Gäste. Ganze Armeen unterschiedlichster Spezialisten (und auch Generalisten) dienen Unternehmern und Selbstständigen ihre Dienstleistungen an, darunter

  1. Rechtsanwälte
  2. Steuerberater
  3. Unternehmens-, Organisations- und Personalberater oder auch
  4. Versicherungsberater.

Hinzu kommt eine wachsende Zahl von Lebens-, Selbstmanagement- oder Berufsberatern und Coaches, die sich vor allem den "weichen", individuellen Seiten des Geschäftslebens zuwenden.

Gute Gründe für guten Rat

Zunächst einmal: Das Hinzuziehen externer Berater hat tatsächlich in vielen Fällen Vorteile. So

  1. fällt es Außenstehenden leichter, über den betrieblichen Tellerrand zu blicken
  2. beschäftigen sie sich regelmäßig, oft sogar täglich mit Aufgaben, die für die Ratsuchenden Ausnahmecharakter haben.

Das macht die Auswahl unter der großen Zahl der Anbieter jedoch nicht einfacher. Noch dazu, weil die Berufs-Bezeichnung "Berater" - gänzlich undeutsch - abgesehen von der Steuer- und Versicherungsbranche nicht geschützt ist. Wir stellen Ihnen deshalb im Folgenden ein paar bewährte Auskunftstellen, sinnvolle Auswahlkriterien und sowie Möglichkeiten des Umgangs mit professionellen Ratgebern vor.

Was erwarte ich von der Beratung

Während sich die genaue inhaltliche Problemdefinition im Vorwege oft genug noch nicht vornehmen lässt, sondern sich erst im Laufe des Beratungsprozesses herauskristallisiert, können wichtige Rahmenbedingungen vorab geklärt werden:

  1. Formulieren Sie Ihren Leidensdruck, den Anlass Ihres Unterstützungsbedarfes!
  2. Formulieren Sie ausdrücklich den gewünschten Zustand nach der erfolgreichen Beratung! Und:
  3. Stellen Sie soweit erkennbar die erforderlichen Informationen und Unterlagen zusammen, die ein Dritter benötigt, um Ihnen helfen zu können.

Schon durch diese - nur scheinbar banal klingenden - Empfehlungen lässt sich der Beratungsprozess oft abkürzen und der damit einhergehende Kostenumfang beträchtlich senken.

Dazu beitragen wird auch, dass Sie - oder einer Ihrer Mitarbeiter - zumindest Orientierungswissen zur jeweiligen Problemlage zusammentragen. Denn so unverzichtbar in einem immer stärker regulierten Wirtschaftsleben spezialisierte Beratungs-Dienstleistungen sein mögen: Von der Verantwortung für die Folgen Ihrer daraus resultierenden Entscheidungen werden Sie nicht befreit.

Fragen, Fragen, Fragen!

Bevor Sie womöglich hilf- und orientierungslos zum Branchenbuch greifen, nutzen Sie unbedingt Ihre persönlichen Kontakte, um Kollegen nach ihren Erfahrungen mit Experten zu fragen. Und: Verzichten Sie nicht darauf, zumindest einen der zahlreichen "Beratungs-Berater" bei

  1. Kammern
  2. Innungen
  3. Verbänden oder
  4. Berufsorganisationen

zu befragen. Die werden zwar in der Regel keine Einzelempfehlung aussprechen, Ihnen aber für Ihr regionales Umfeld Zusatz-Informationen zu verfügbaren Spezialisten geben können.

Sinnvoll sein kann außerdem, einen vertrauenswürdigen Dienstleister zu konsultieren, mit dem Sie auf anderen Gebieten gute Erfahrungen gemacht haben. Während es etwa naheliegt, anlässlich einer Klage gegen das Finanzamt den eigenen Steuerberater nach einem Fachanwalt für Steuerrecht zu fragen, wird diese Möglichkeit zum Beispiel bei der Suche nach einem Unternehmensberater selten genutzt.

Auswahl-Kriterien

Abgesehen von der jeweils erforderlichen Fachkompetenz und Erfahrung mit vergleichbaren Fällen sollten bei der Entscheidung für einen Berater auch die folgenden Kriterien in Betracht gezogen werden:

  1. Ist der Experte innerhalb eines vertretbaren Zeitraums überhaupt verfügbar?
  2. Kann er in Ruhe zuhören und gezielte, passende Fragen stellen?
  3. Kann ich mich mit meinen Anliegen verständlich machen?
  4. Mindestens ebenso wichtig: Kann er komplizierte Sachverhalte nachvollziehbar erläutern?
  5. Und: nimmt er sich dafür auch die erforderliche Zeit?
  6. Ist zu erwarten, dass der Berater erforderlichenfalls auch von sich aus initiativ wird?

Aber: Wer hohe fachliche Ansprüche hat, Wert auf kommunikative Kompetenz legt und noch dazu auf schnelle Verfügbarkeit pocht, produziert ein Dilemma. Denn die Beratungs-Qualität hängt trotz wachsender Kanzleien und Praxen und einer großen Zahl von Mitarbeitern nach wie vor unmittelbar von den Freiberuflern selbst ab.

Und das Zeitbudget besonders qualifizierter und erfolgreicher Experten ist nun einmal begrenzt. Sofern bei Ihnen also kein unmittelbarer Handlungsdruck besteht, können Sie durchaus mehrwöchige Wartezeiten in Kauf nehmen und nicht als Manko betrachten. Im Laufe einer Erstberatung sollten Sie dann aber keinen Hehl daraus machen, dass für Sie zeitnahe Reaktionen Ihres Beraters einen hohen Stellenwert hat.

Preisfrage

So sinnvoll die nüchterne Prüfung vernünftiger Angebotspreise ist: Professionelle Beratung hat ihren Preis. Das kann durchaus zu hohen Stundensätzen über 200 Euro oder Tagessätzen von 2.000 Euro und mehr führen. Wirklich gute Berater werden dafür aber auch schneller, zielgenauer und vor allem: erfolgreicher arbeiten. Schließlich warten noch genügend andere Klienten, Kunden oder Mandanten auf sie, Zeitschinderei oder Beutelschneiderei haben sie nicht nötig.

Zu unterscheiden ist die Art der jeweils zu vereinbarenden Honorar-Typen. Neben den bereits erwähnten zeitabhängigen gibt es

  1. die nach vorgegebenen (Wert-)Gebühren errechneten
  2. Pauschalen sowie
  3. Erfolgshonorare.

Bei Auftraggebern besonders gern gesehen sind erfolgsabhängige Entgelte - immer vorausgesetzt, sie basieren auf einer transparenten und eindeutig nachvollziehbaren Berechnungsbasis. Da, wie sich zeigen wird, jedoch nicht alle Berater diesen Vergütungstyp abrechnen dürfen, sind häufig Pauschalen aus Kundensicht sinnvoll. Sofern Sie die Möglichkeit haben, solche Festbeträge zu vereinbaren, müssen Sie bei Ihrem Beratervergleich natürlich besonders viel Augenmerk auf Klarheit über den Dienstleistungsumfang legen.

Noch mehr "Erste Hilfe zur Beratungs-Selbsthilfe" bietet unser Beitrag Ist guter Rat teuer?

Rechtsanwälte

Die - nach den Seelsorgern - älteste Gruppe der Berater ist hier zu Lande zugleich die am besten organisierte. Für sie gilt ein ausgefeiltes Standesrecht, in dem genaue Ausbildungs-, Niederlassungs- und auch Honorarvorschriften festgelegt sind.

Rund 100.000 Juristen mit anwaltlicher Zulassung sind in mehreren hundert Rechtsgebieten von "A" wie Abfallrecht bis "Z" wie Zwangsvollstreckungsrecht tätig. Außerdem gibt es seit knapp zehn Jahren neben den anwaltlichen Generalisten noch ausgewiesene Fachanwälte mit folgenden sieben Schwerpunkten:

  1. Familienrecht
  2. Insolvenzrecht
  3. Sozialrecht
  4. Steuerrecht
  5. Strafrecht
  6. Verwaltungsrecht

Hinzu kommen gesondert qualifizierte Anwälte für ausländisches Recht. Das macht den Überblick über verfügbare Experten nicht leicht.

Eine Aufstellung aller bundesweiten Rechtsanwaltskammern, die Sie bei der Suche nach dem richtigen Rechtskundigen helfen können, finden Sie unter rechtsanwaltskammer.de.

Einen direkten Draht zum lokalen und regionalen Experten liefert das monatlich aktualisierte Mitgliederverzeichnis des Deutschen Anwaltvereins, das sich online unter anwaltauskunft.de komfortabel und äußerst differenziert nach

  1. Qualifikationen
  2. Tätigkeitsschwerpunkten
  3. Sprachkenntnissen und Auslands-Expertise
  4. Mitgliedschaften und
  5. Zulassungen

abfragen lässt. Außerdem können Sie sich dort telefonisch über Anwälte in Ihrer Region informieren lassen.

Eine Alternative stellt der Anwalt-Suchservice dar, der neben der Online-Abfrage auch noch - im Erfolgsfall kostenpflichtige - Sonderrecherchen für besonders heikle und knifflige Fälle des Wirtschaftsrechts bietet.

Hinsichtlich der Kosten genießen Anwälte (und Steuerberater) eine Sonderrolle: Ähnlich wie im Fall ihrer freiberuflichen Ärztekollegen geht das gesetzlich festgelegte Monopol der Rechts- und Steuerberatung nämlich mit einem festen Gebühren-Korsett einher. Für Anwälte gilt die Bundesgebührenordnung für Rechtsanwälte (BRAGO).

Die hat für Ratsuchende sowohl Vor- als auch Nachteile: So schützt sie zwar vor bösen Honorar-Überraschungen, sorgt aber zugleich für ein recht hohes Durchschnitts-Preisniveau. Das lässt zudem - jedenfalls bei Einzelmandaten - nur wenig Verhandlungs-Spielraum. Und: Anders als bei Unternehmens-, Organisations- oder Personalberatern müssen Sie schon für das Erstgespräch bezahlen.

Das Honorar hierfür errechnet sich soweit möglich aus dem jeweiligen "Streitwert" - darf jedoch 180 Euro (bislang 350 DM) nicht überschreiten. Hinzu können allerdings noch Auslagenerstattungen von weiteren 20 Euro kommen. Bei jeder folgenden Beratung entfällt die Obergrenze jedoch.

Steuerberater

Auch bei Steuerberatern sind Ausbildung, Honorare und Pflichten gegenüber ihren Mandanten standesrechtlich geregelt, wenngleich nicht in solche engen Grenzen wie bei den Rechtsanwälten. Und: Sie können weit mehr als buchen, Jahresabschlüsse und Steuererklärungen erstellen. So weist der Suchservice des Deutschen Steuerberaterverbandes knapp 7.000 Einträge in

  1. über 50 Fachbereichen vom Außenhandels- bis zu Zollfragen
  2. über verschiedene 30 Branchen-Schwerpunkte sowie
  3. annähernd 70 internationale Steuerrechtsgebiete mit über 40 unterschiedlichen Sprachen

aus.

Bei Ihrer persönlichen Suche nach einem geeigneten Finanz-Experten helfen können auch die regionalen Steuerberaterkammern, die Sie über die Website der Bundes-Steuerberaterkammer finden können.

Die Honorar der Steuer-Spezialisten richten sich nach der Steuerberatergebührenverordnung (StBGebV). Neben der Berechnung auf Basis des sogenannten Gegenstandswertes finden sich dort Angaben über Zeitgebühren. Sie betragen laut Gesetzes zwischen 37,50 und 90 Deutsche Mark je angefangene halbe Stunde. Die in der StBGebV genannten DM-Beträge wurden im Zuge der Währungsumstellung durchweg halbiert und auf ganze Euro-Beträge gerundet.

Generell lässt die Gebührenordnung eine recht breite Spanne zu: So können die Kosten für die gleiche Jahres-Steuererklärung zwischen deutlich unter tausend bis hin zu mehreren tausend Euro schwanken, je nach dem, ob sich der Steuerberater an der untersten Grenze (von einem Zehntel) oder der vollen Gebühr bewegt. Für Erstberatungen gilt auch hier die Kappungsgrenze von rund 180 Euro (bislang 350 DM).


Achtung: Erfolgs-Honorare sind tabu

Übrigens: Wer es für eine gute Idee hält, seinen Berater an Steuererstattungen oder ähnlichen positiven Folgen seines Tuns zu "beteiligen" muss enttäuscht werden: Die Annahme erfolgsabhängiger Entgelte ist ihm nämlich ausdrücklich untersagt.
 


Wer weniger den Expertenrat des Steuerberaters, sondern vor allem Unterstützung bei der Buchführung braucht, kann sich auch der Dienste eines selbstständigen Buchhalters und Bilanzbuchhalters, also eines "Buchführungshelfers" bedienen: Deren Bundesverband bietet einen entsprechenden Such-Service.

Versicherungsberater

Diese recht kleine und wenig bekannte Berufsgruppe benötigt für die Ausübung ihrer speziellen Rechtsberatung die Zulassung der zuständigen Amts- oder Landgerichtspräsidenten. Die Spezial-Berater haben eine Selbstverpflichtung zur Neutralität abgegeben und dürfen keine Versicherungen verkaufen oder vermitteln.

Deshalb erhalten sie auch keine Provisionen für Unterschriften auf Policen, sondern werden von den Versicherungsnehmern für ihren Aufwand auf Grundlage der Rechtsanwalts-Gebührenordnung bezahlt. Versicherungsberater in Ihrer Nähe finden Sie über die Adressenliste des Bundesverbands der Versicherungsberater.

Unternehmensberater

Die schillernste Berater-Zunft ist die der allgemeinen Unternehmens- oder Organisationsberater. Trotz vielfacher Bemühungen einiger Interessenverbände ist es ihnen bis heute nicht gelungen, die Berufsbezeichnung zu schützen oder die Ausübung der Tätigkeit an feste Ausbildungs- oder Qualifikationsgänge zu binden.

So darf sich bei heute jedermann Unternehmens-Berater nennen, und leider tun das auch wirklich manche bei Weitem überforderte Möchtegern-Experten tatsächlich. Da das in vielen Fällen jedoch bereits beim Erstgespräch offenkundig wird, ist das Risiko jedoch recht gering: Denn die Erstberatung ist bei Unternehmensberatern grundsätzlich kostenlos.

Nutzen Sie diese Möglichkeit daher besonders aufmerksam und gründlich, vergleichen Sie mehrere Anbieter und legen Sie vor allem Wert auf ein schriftliches Beratungsangebot nach dem Erstkontakt. Achten Sie bei dessen Auswertung darauf,

  1. ob Ihre Ausgangssituation zutreffend und vollständig aufgenommen worden ist
  2. ob eine Erhebungsphase vorgesehen ist und wer die Analysen erstellen soll
  3. und ob Preis-Bestandteile differenziert und nachvollziehbar aufgelistet werden.

Seien Sie vor allem dann skeptisch, wenn mit nebulösen Spesenerstattungen hantiert und auf größeren Vorauszahlungen bestanden wird. Lassen Sie sich allenfalls auf die bewährte Drittel-Lösung ein. Jeweil ein Drittel des Honorars wird dabei fällig bei

  1. Auftragserteilung
  2. Abschluss der Gespräche und Erhebungen vor Ort sowie
  3. Abnahme des Beratungsberichts

Organisationen wie der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater oder die Berater im Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte knüpfen die Aufnahme neuer Mitglieder an recht anspruchsvolle Voraussetzungen und Berufsgrundsätze oder eigene Zertifikate. Die eignen sich recht gut als zusätzliche Orientierung, welche Erwartungen Unternehmer an qualifizierte Berater haben können.


Tipp: Erstattung von Beratungskosten

Denken Sie rechtzeitig daran, dass Unternehmensberatung für kleine und mittlere Unternehmen öffentlich gefördert werden. So gibt es Zuschüsse für Existenzgründungsberatungen in Höhe von 50 Prozent der Beratungskosten. Die Förderhöchstgrenze ist im Zuge der Währungs-Umstellung gerade deutlich auf 1.500 Euro erhöht worden. Der gleiche Höchstbetrag gilt jetzt auch jeweils für Zuschüsse zu Existenzaufbauberatungen (bis zu 2 Jahre nach der Gründung) sowie für Zuschüsse zu allgemeinen Beratungen, Umweltschutz- und Energieeinsparberatungen.
 

(roc)

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